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Theodor Gansen

Zwischen 1926 und 1936 fertigte er etwa 40 bis 50 Tonplastiken an, die er zum Teil selbst, zum Teil durch Helfer an Kunsthändler in Köln, Bonn, Neuwied, Mainz, Wiesbaden, Frankfurt/Main, Berlin und in Süddeutschland sowie an Museen im Rheinland als alt verkaufte. Sie wurden meist der mittelrheinischen Tonplastik des 15. Jahrhunderts zugerechnet.

Offenbar lag hierfür zu dieser Zeit in Deutschland ein besonderes Interesse vor, was sich auch in der kunsthistorischen Fachliteratur der Zeit spiegelt. Zum Vorbild dienten Gansen vor allem deutsche Madonnenbilder, aber auch Vesperbilder und die Darstellung Marias im Wochenbett. Seine Anregungen fand er in den nahegelegenen Museen und in der zeitgenössischen Kunstliteratur.

Gansen modellierte über einem Kern aus angefeuchterem Papier, der sich beim Brennen auflöste. Die innere Höhlung der Bild- werke wurde meist künstlich geschwärzt, die Fassung durch verschiedene Manipulationen künstlich gealtert, das Objekt zum Teil auch absichtlich verstümmelt. Es handelt sich in der Regel um Pasticcios, die gegenüber ihren Vorbildern durchweg recht grob vereinfacht sind. Durch eine Anzeige im Oktober 1936 kam es zu einer polizeilichen Untersuchung in Bonn, in deren Verlauf Theodor Gänsen zugab, „Tonplastiken mit der Absicht der Täuschung im alten Stil angefertigt und als alt verkauft zu haben”.1 Als Vorlage dienten ihm “Anschauungen in den verschiedensten Museen und Bildnisse aus Fachzeitschriften. Meine Arbeiten gelangen mir vorzüglich, und so versuchte ich, diese wirklich so zu gestalten, daß sie zeitgemäß, d.h. als aus dem 1. V. 15. Jh. stammend, aussahen.
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Bei dieser Gelegenheit wurde eine photographische Dokumentation von Werken Gansens gefunden...Da sich Gänsen auf das recht enge Gebiet rheinischer Tonplastik des frühen 15. Jahrhunderts beschränkt hatte, seine Werke auch weder in künstlerischer noch in technischer Hinsicht qualitätvoll waren, blieb er für den internationalen Kunsthandel bedeutungslos.”3
Ein besonderes Element seines Vertriebsnetzes war die “Kunsthandlung Gansen” in Frankfurt.


Literatur:

Bloch/Vogt: Fälschung und Forschung. Ausstellungskatalog Essen / Berlin 1977, S. 91ff

Rademacher, F. in Geheime Verbandsmitteilungen, Nr. 779

Wilm, Hubert: Die gotische Tonplastik. Augsburg 1929, Abb. 1, 181f.






1Bloch/Vogt: Fälschung und Forschung. Ausstellungskatalog Essen / Berlin 1977, S. 91ff
2Bloch, Peter in RDK, Bd. 6, s.v. “Fälschung”
3Bloch/Vogt: Fälschung und Forschung. Ausstellungskatalog Essen / Berlin 1977, S. 92



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