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Keine Fälschung, sondern ein zweifach geschöntes Original des 16. Jh.

UPDATE v. 24.11.2019 (unten)



Ein Verdacht und sein unerwartetetes Ergebnis



Als  der Leiter des Referats Restaurierung am Universalmuseum Joanneum in Graz, Paul-Bernhard Eipper, zum ersten Mal das Bild einer Dame mit Mühlsteinkrause und langer Kette sah, hatte er sofort einen Verdacht. Mit dem süßlichen Lächeln der Dargestellten wirkte es wie eine Kopie des Historismus, vielleicht sogar des 20. Jh. Die als Malgrund verwendete alte Tafel sprach zunächst sogar für eine Fälschung, zumal die Rückseite „Euphrosina Bimlin, ANNO DNI 1594“ beschriftet war. Als nach der Reinigung und vorsichtigen Freilegung ein Frauenporträt der deutschen Renaissance zum Vorschein kam, war das Staunen groß: Der ernste Gesichtsausdruck der Dame war anscheinend um die Mitte des vorigen Jahrhunderts geschönt worden, doch handelte es sich eben nicht um eine Fälschung.

Beide Zustände zieren nun aus gutem Grund den „Umschlag“  des von Paul-Bernhard Eipper veröffentlichten, technisch wie inhaltlich neue Wege beschreitenden Fachbuchs „Durchschaut. Technologie und Konservierung von Kunstwerken“, denn dass an diesem Gemälde etwas nicht stimmte, konnte man sehen und durchschauen.







Abb. 1+2: Vorder- und Rückseite des neuen Eipper-Buchs, das einiges an restauratorischem Wissen für Kunsthistoriker bereitstellt.

Umschlagfotos (Bilddetails) nach Fotos von P.-B. Eipper



In den Jahresberichten des Joanneums von 2008 und 2011, in den Blogseiten des Hauses wurde diese Entdeckung publiziert, später dann auch im „Handbuch der Oberflächenreinigung“, nachdem der Kunsthistoriker Ulrich Becker bemerkt hatte, daß der Name Bimlin auf Augsburg verweist. Karin Leitner-Ruhe überließ zu einem späteren Zeitpunkt Eipper die alte Inventarkarte (Abb. 3). Sie enthielt die Vermutung, dass es sich beim Künstler um Frans Francken handeln solle, ferner den Eintrag, dass es sich um eine Leihgabe von Ignaz Graf Attems handelte und sich  früher einmal in Aflenz, einem Bergort, rund 78 km nördlich von Graz, befand.





Abb. 3: Inventarkarte des Joanneum zum Porträt. Scan: UMJ



Noch überraschender aber war der Fund einer alten sw-Aufnahme des Gemäldes, die es in einem dritten, bis dahin unbeachteten Zustand zeigt. (Abb. 4) Im Vergleich mit dem freigelegten Werk des 16. Jh.offenbarte sich nun, dass der viele Jahre sichtbaren Schönung noch eine weitere, darunter liegende schönende Übermalung zugrundelag.





Abb. 4: Beilage der Inventarkarte: ein bis lang unbeachtetes Foto von 1943. Foto: Alexander Stern/UMJ



Die Aufnahme stammt vom Fotografen Alexander Stern, der sie mit seinem Stempel versah. Hierdurch ist sie archivalisch datierbar, denn in einem anderen Zusammenhang erwähnte die Joanneums-Chefkuratorin Mag. Dr. Karin Leitner-Ruhe 2014: „Für die Aufnahmen im Bergungsort Aflenz wurde der Fotograf Alexander Stern der Lichtbildstelle der Reichsstatthalterei der Steiermark engagiert.“ 1

Der Eintrag „Aflenz“ auf der Karteikarte bedeutet somit, daß auch dieses Gemälde 1943 ausgelagert und vorher von Alexander Stern (1894-1970) 2 fotografiert wurde. Damit ist für erste Schönung ein Terminus ante und für die zweite ein terminus post gegeben, in der das Gemälde bis 2008 gezeigt wurde: Die erste restauratorische Schönung wurde vermutlich bereits im 19. Jh., die zweite nach 1945, am ehesten in den 50er/60er Jahren, durchgeführt. Eipper vermutet 2a, dass der damalige Joanneums-Restaurator Pichler sich das Porträt vorgenommen hatte, um die bei der Auslagerung entstandenenen Schäden, u.a. bei der oberen Anstückung, auszubessern und bei dieser Gelegenheit das gesamte Bild bearbeitete. Dabei nahm Pichler die im vorhandenen sw-Foto von Stern dokumentierte Schönung (die zu dem Zeitpunkt ca.  80-100 Jahre zurücklag) ab und ersetzte diese durch eine ebenfalls schönende Übermalung, welche die Jahreszahl der Entstehung mit einem sehr dunklem Hintergrund überdeckte. Dies erklärt, warum zwischen der originalen Oberfläche und der letzten Schönung keine weitere Schicht lag.

Oben verlängert, seitlich und unten gekappt

Die noch auf dem Stern-Foto von 1943 sichtbare Anstückung oben verlängert den Hintergrund optisch nach oben und verursacht dadurch eine erhebliche Unstimmigkeit. Damit verschwand die durchaus wichtige originale Bilddatierung oben rechts. Mit einem ähnlich dunklem Schatten wurde die Figur plastisch vor den krakelierten Fond gesetzt. Wahrscheinlich wurde die rückseitige Aufschrift "Euphrosina Bimlin ANNO DNI 1594" in Zusammenhang mit dieser Tilgung der Vorderseitendatierung vorgenommen. (Abb. 5)





Abb. 5: Die Rückseiten-Beschriftung, entstanden vermutlich erst nach der Übermalung der Datierung auf der Vorderseite. Foto: P.-B. Eipper



So bekam der Regel-Betrachter der Vorderseite zwar ein Frauenbildnis zu sehen, hingegen keinen Hinweis auf die Datierung, auf den Namen der Person oder ihr Alter. Eine solche Anstückung mit gleichzeitiger Übermalung wichtiger Originalsubstanz würde selbstverständlich heute kein Restaurator mehr vornehmen.

Die unpassende Anstückung, die das Bild optisch nach oben verlängern sollte, kaschiert jedoch noch ein anderes Problem. Kein Renaissanceporträt dieser Größe (anders verhält es sich nur bei Miniaturen) ist originär so knapp ausgeführt, dass Teile der Oberarme und die Hände fehlen. Dieser Ausschnitt ist typisch für eine spätere Zeit, als der fotografische Blick ins Spiel kam. Links oben würde man bei manchen Bildern der Zeit ein Geschlechterwappen sehen, über das die Familie Bimmel durchaus verfügte (Abb. 6), und eventuell ihren Namen, vielleicht auch eine Altersangabe mit der Formel "aetatis suae". Das Geschlechterwappen konnte bei einem "sprechenden" Wappenring entfallen.





Abb. 6: Auszug aus Siebmachers Wappenbuch von 1605 mit dem Wappen der Bimmel. Quelle: Wikimedia Commons. Im Wappenanhang bei Paul von Stetten 1762 ist das richtige Wappen aufgrund eines Druckfehlers auf Taf. X, Nr. 4 abgebildet, nicht auf Taf. VIII. 



Die Hände mit den Ärmelkrausen derartiger Porträts waren ein erheblicher Bedeutungsträger: Die Handhaltung signalisierte innere Gelassenheit und Würde. Gelegentlich hielt eine Hand eine symbolkräftige Blume, einen Handschuh, ein Hündchen - vor allem aber wies die Ringhand dann einen kleinen Wappenring auf, wenn es sich um eine entsprechende Familie von Rang handelte. Ein Vergleich mit anderen Gemälden desselben Künstlers zeigt: Die Tafel wurde somit im Laufe seiner Restaurierungsgeschichte wohl wegen Wurmfraß seitlich und unten gekürzt, nicht aber oben. Links und rechts nur einige Zentimeter, aber nach unten erheblich. Da oben links weder das Wappen, noch der Name der Dargestellten gefunden wurde, darf vermutet werden, dass der unten entfernte Teil des Gemäldes an der Ringhand der Bimmel einen Wappenring aufwies. Alle mir bekannten, dem ausführenden Künstler zugeschriebenen Patrizierporträts (s.u.) sind hierdurch näher bestimmbar; Gattinnen reicher Nichtpatrizier malte er mit neutralen Ringen, sie wurden aber auf der Bildvorderseite, weil hierdurch ein Identifikationsmerkmal fehlte, per Inschrift ("uxor...") textlich bezeichnet.

Wie kam das Gemälde an das Joanneum?

Laut Karteikarte handelt es sich um eine Leihgabe des Dr. Ignaz Graf Attems. Ignaz Maria II. Graf Attems-Heiligenkreuz (1774-1861) entstammte einer alten, weit verzweigten friaulisch-steirischen Adelsfamilie. Die steirischen Attems besaßen das schönste Adelspalais in Graz, das Palais Attems (heute Teil des UMJ) in der Sackstraße (Stadtmitte), und lebten inmitten einer riesigen Antiquitäten- und Bildersammlung. (Abb. 7)





Abb. 7: Das Palais Attems, Graz,  während einer Führung zum Tag des Denkmals 2017



Im 19. Jh., als das Joanneum bei der Bevölkerung um Zuwächse warb, wurde auch dieses Bild zunächst als Leihgabe in das Joanneum verbracht. 3 Nach dem Tode Attems 1861 kamen mit dem sog. Legat Attems dann viele Werke an die Bildergalerie des heutigen Universalmuseums Joanneum. Im Spätsommer 2019  war das Portrait der Bimmel in der ziemlich ungenauen Legats-Auflistung jedoch „nicht zu finden. Es gibt darin aber einige „weibliche Kopfstücke“, die schwer zuzuordnen sind.“ 4 (Leitner-Ruhe)



Vermutlich erwarben die Attems das Portrait im 18. oder 19. Jh. für ihre Bildergalerie als reines Kunstobjekt. Da es aber keine genealogische Verbindung zwischen den Attems und der Dargestellten gab, konnte das Gemälde zunächst als Leihgabe, und 1861 dann als Schenkung dem Joanneum vermacht werden.

Wer ist die Dargestellte?

Die Dargestellte wird im Joanneum aufgrund der rückseitigen Beschriftung seitdem als „Euphrosina Bimlin“ geführt. Diese rückwärtige Beschriftung erfolgte möglicherweise erst zur Informationssicherung im Zusammenhang mit der oberen Anstückung und Übermalung. Das damalige Schreiben nach Gehör führte zu den unterschiedlichen Schreibweisen Püml, Bimmel und Pimmel (die letztere Variante findet sich in Siebmachers Wappenbuch von 1605 oder bei Paul von Stetten, 1762). Euphrosina war ein im süddeutschen Raum des 16. bis 19. Jh. durchaus verbreiteter Vorname.

Was heute eher ein Lächeln hervorruft, ließ aber im 16. Jh. in Augsburg eher aufhorchen. Aus dem Augsburger Pflegschaftsbuch 1582-1593, Eintrag vom 12. Februar 1591, geht hervor, daß Markus Fugger III. 1591 für 8500 fl. der Witwe Euphemia Bimmel (der Mutter von Euphrosina Bimmel) ein Haus abkaufte. Der für damalige Zeiten sehr hohe Betrag läßt auf ein sehr repräsentatives Haus schließen. Nach der Augsburger  Häusergeschichte von Anton Werner 5 handelt es sich um das domnahe Haus Nr. D 146 Hafnerberg 14, das 1543 von Hans Bimmel III. (1518-1561) erworben und zu einem aufwendigen Palast umgebaut worden war. Die Bimmel zählten im 16. Jh. zu den reichsten Familien Augsburgs, als Neureiche hatte sich jedoch ihr politischer Ehrgeiz weder bei der Erweiterung des Patriziats von 1538 noch bei einem weiteren Versuch von 1582 niederschlagen können. Die Weberfamilie Bimmel war ‒ den Fuggern ähnlich ‒ zunächst in den Tuchhandel, dann in den allgemeinen Warenhandel, danach auch in den Edelmetall- und Salzhandel, zuletzt in den Geldverleih (u.a. an die Habsburger) eingestiegen. 6 Sie waren schwerreich, aber eben doch keine Patrizier. 6a

Die Augsburger Großkaufleute heirateten gezielt untereinander wie die europäischen Adeligen oder Bauern. Euphrosina Bimmel wurde am 2.3.1564 geboren und verstarb im Kindbett am 4.2.1602. 7  Sie heiratete Quirin von Rehlingen/Rehlinger/Rechlinger (1540-1605) zu Radau (heute: Radaumühle): „Die R., die zahlreiche Eheverbindungen mit Augsburger Patrizier- und Kaufmannsfamilien (u. a. Gossembrot, Langenmantel, Fugger, Welser, Baumgartner, Manlich), aber auch mit Angehörigen des Landadels eingingen, stehen nicht nur beispielhaft für die konfessionelle Spaltung der Augsburger Führungsschicht, sondern auch für die Vielzahl möglicher Karrierewege innerhalb des reichsstädtischen Patriziats: Neben kaufmännisch und politisch aktiven Persönlichkeiten brachten die R. im 16. und 17. Jahrhundert zahlreiche Juristen, Geistliche, Offiziere, Hofbedienstete und Verwaltungsbeamte hervor. In diesem Zeitraum befanden sich auch eine Reihe von Landgütern im Umland von Augsburg (u. a. Hainhofen, Haldenberg, Horgau, Kleinkitzighofen, Leeder b. Landsberg, Nordendorf, Pfersee, Radau) in ihrem Besitz.“  8

Somit kann die Dargestellte durch Heirat der Augsburger Patrizierfamilie Re(c)hlinger zugeordnet werden. Rechlinger war seinerzeit einer der wichtigsten Männer in Augsburg, und ein ausgesprochener Karrierist: 1571 wurde er Stadtgerichtsassessor, 1566 Probst zu St. Peter 9, 1576 Senator, also Ratsherr, 1589-1605 war er geheimer Rat und 1586-1604 Stadtpfleger, also Oberbürgermeister. Die Regierungszeit als Bürgermeister wurde als Duumvirat mit Fuggern und Welsern gehandhabt,  nämlich 1594-1600 mit Octavianus Secundus Fugger von Kirchberg und Weissenhorn und danach bis 1614 mit Markus Welser. 

Die Familie Rechlinger war ebenfalls sehr reich und hatte größere Summen an die Stadt Augsburg privat verliehen. 10 Quirin Rehlinger war zunächst mit Ursula von Langenmantel verheiratet, die aber mit 44 Jahren 1593 verstarb. Wie Quirin Rehlinger aussah, gibt der realistische, aber posthume Kupferstich von Lucas Kilian, der sich heute in mehreren Bibliotheken in Deutschland und Österreich befindet, wieder. (Abb. 8 )





Abb. 8: Lucas Kilian: Posthumes Porträt von Quirin Rechlinger als Duumvir (also 1594-1605), Kupferstich, undat., vor 1624. Blatt 208 x 138 mm. Aus Kilians „Reipublicae Augstanae Vindelico-rum Praefecti...“,  Augsburg 1624. Drugulin 17029; Singer 75425; Diepenbroick 20706





Knapp ein Jahr nach dem Tod seiner ersten Frau war der 50jährige Augsburger Bürgermeister und Senator Rechlinger in zweiter Ehe mit der 34jährigen Euphrosina Bimmel verheiratet.

Was war die Aufgabe dieses Bildes?

Die Dargestellte war somit die First Lady der freien Reichstadt Augsburg, und das Gemälde von 1594 war ein Hochzeitsbild. Ernst und Würde der Dargestellten entsprechen somit voll ihrer gesellschaftlichen Stellung, ihrem Selbstbild und ihrer Verantwortung. Man kann sich vorstellen, wie stolz und zufrieden vor allem die Familie der Bimmel über diese Hochzeit war.

Dagmar Hirschfelder schreibt dazu: "In vielen Fällen ist nachweisbar, dass Bildnisse bei bestimmten Anlässen beziehungsweise im Zusammenhang mit biografischen Ereignissen, wie Eheschließungen, Verlöbnissen, Statuserhöhungen oder Amtsantritten, in Auftrag gegeben wurden. Da Kleidung, Schmuck und Attribute sowohl identitätsstiftende als auch distinktive Funktionen erfüllten, spiegeln sie oftmals den jeweiligen Bildnisanlass wider. War dieser eine Standeserhöhung wie die Aufnahme ins Patriziat, präsentierten sich die Auftraggeber im Repräsentationsgewand dieses Standes, handelte es sich um eine Heirat, ließen sie sich in besonders kostbarer, oft in ihrer Hochzeitskleidung darstellen … Zu den wichtigsten Aufgaben von Porträts gehörte ihre Memorialfunktion, also die Bewahrung des Andenkens der Dargestellten für Angehörige und Nachwelt. Um diese zu erfüllen, sollten die Werke Alter, Geschlecht und Zivilstand ebenso wie Stand und Rang, unter Umständen zudem Beruf oder Amt des Dargestellten oder seine Zugehörigkeit zu einer bestimmten Institution oder Gruppe ablesbar machen. Hierfür stand den Malern ein normiertes Repertoire bildnerischer Mittel, Motive und Inschriften zur Verfügung, das auch Art und Aussehen von Kleidung und Schmuck beinhaltete. Dabei zählte es zu den verbindlichen Regeln, sich in vornehmer Fest- oder Repräsentationskleidung darstellen zu lassen." 10a

Wer hat das Bild gemalt?

Das Bild ist (heute) nicht signiert und der Eintrag auf der Karteikarte dürfte kaum zutreffen. Für ein derartiges, als Hochzeitsbild angefertigtes Doppelporträt (das Pendant des Bürgermeisters Quirinus Rehlinger ist bislang unbekannt. Es dürfte aber in etwa so ausgesehen haben wie der abgebildete Stich, der wohl nach einem bis heute unbekannten, gemalten Bildnis gestochen wurde). Hierfür kamen nur die angesehendsten Augsburger Maler der Zeit zwischen Christoph Amberger und dem Augsburger Stadtmaler Johann Matthias Kager infrage.

Wenden wir uns diesen in Frage kommenden Malern im Ausschlußverfahren zu: 11 Als da wären vor allem der Maler und Miniaturist Tobias Bernhard (1578-1621), der allerdings 1592 erst in die Lehre bei seinem Vater Wolfgang Bernhard ging. Auch Johann Freyberger (1571-1631)   war 1594 zu jung, und lebte erst seit 1599 in Augsburg. Der Maler und Zeichner Matthäus Gundelach (ca. 1566-1653) befand sich 1593 noch in Prag und wurde erst 1611 Augsburger Bürger. Seine eigentliche Übersiedlung fand sogar erst 1615 statt. Auch der Münchner Maler und Radierer Johann Matthias Kager (1575-1634) wurde erst 1603 Augsburger Bürger, befand sich seit 1595 zu Studienzwecken in Italien. Seine frühesten gesicherten Tafelbilder stammen von 1608/09, einem erst 1591 die Lehre abgeschlossenen Maler hätte sich das Bürgermeisterehepaar für ein repräsentatives Hochzeitsbild wohl eher weniger anvertraut. Der vom Übergabebild des Pommerschen Kunstschranks her bekannte Kabinettbildermaler Anton Mozart (1572/73-1625) kommt schon eher in Betracht, da es in der Literatur Hinweise auf Porträts gibt, die sich aber nicht in den musealen Sammlungen befinden. Mit seinen gerade mal 22 Jahren wäre wohl auch für eine derartige Aufgabe zu jung gewesen. Der Freskant, Maler und Zeichner Johann Rieger (1655-1730) kam da schon eher in Frage, er ist für eine Zuschreibung jedoch zu wenig mit Werken belegt. Auch der elegante Maler Hans Rottenhammer (1564-1625) kommt nicht infrage, da er sich 1589-1606 in Italien befand und erst 1607 Bürger von Augsburg wurde. Der Maler Elias Schemel (ca. 1550-1611) hingegen käme eher in Betracht, er arbeitete jedoch vor allem für die Fugger (1586 beispielsweise die Fresken von Schloss Kirchheim) und den Münchner Hof. 

Aus zeitlichen und stilistischen Gründen ist das Porät der Bimmel in Graz eindeutig dem Maler Abraham de Hel/del Hele (1534-1598) zuzuschreiben. Über ihn ist nicht viel bekannt: Er porträtierte in feinster Malweise die kaiserliche Familie, die Fugger und Langenmantel. 12 In der Literatur werden ihm auch eine Reihe von biblischen Historienbildern oder "Epitaphien" zugeschrieben, vermutlich aber zu Unrecht. 12a Bekannt sind seine Leinwand-Bildnisse des Augsburger Stadtbibliothekars Hieronymus Wolf, des Stadtarztes Adolph Occo II., und ein Bildnis der Philippine Welser (sämtlich Städtische Kunstsammlungen Augsburg). Gode Krämer hob 1980 folgende Malweise de Hels hervor: ein charakterischer "sehr dünner Farbauftrag, der die Leinwand sichtbar werden läßt und die für ihn typische schmutzig ocker-bräunliche Gesichtsfarbe mit leichten rosa Tönen in den helleren Partien." 13

Gode Krämer faßte über de Hel zusammen: "1562 Bürger- und Meisterrecht; später mehrfach Vorgeher der Zunft. Stellte in seinen Porträts ebenso die bürgerliche Intelligenz um das protestantische Anna-Kolleg dar, wie Mitglieder des Patriziats, vor allem der Fugger. Durch deren Vermittlung Beziehungen zu den Fürstenhöfen in Stuttgart, München und Wien; besuchte 1576 zum Porträtieren der kaiserlichen Familie den Reichstag in Regensburg. An figürlichen Kompositionen sind neben den großen Epitaphien im Kreuzgang von St. Anna nur zwei Bilder äußerst unterschiedlichen Charakters bekannt. Eine Reihe seiner Porträts wurden im Stich vervielfältigt. Trotz seines konventionellen Stils muss Hel als der wichtigste Porträtist Augsburgs nach dem Tode Christoph Ambergers angesehen werden. Sechs Porträts in den Kunstsammlungen Augsburg." 14

Im Oktober 2019 war es mir dankenswerterweise möglich gemacht worden, mehrere de Hel zugeschriebenen Werke der Städtischen Kunstsammlungen und Museen Augsburgs zu vergleichen und Vergleichsmaterial aus der dortigen Graphischen Sammlung zu studieren. Zudem erbrachten die de Hel zugeschriebenen Werke in der als Österreicherkapelle oder Heiliggrabkapelle der St. Annakirche deutliche Bestätigung. Dem Augsburger St.-Anna-Kolleg gehören nämlich auch zwei anonyme Patrizierinnen-Porträts, die de Hel zugeschrieben werden, beide Öl auf Lwd., eines davon bezeichnet "ANNO DNI 1591". Namentlich identifiziert ist zudem das Halbporträt der Felicitas Österreicher mit Haube in dieser Kapelle, bezeichnet "ANNO DOMINI 1585". Beindruckende de Hels sind auch die Doppelporträts des Medicus Adolf Occo d.J. und seiner Frau Regina Geurhos, beide 1578 und mit der für de Hel typischen Draperie.

Interessant ist auch, dass sich auch auf Schloss Ambras heute ein de Hel zugeschriebenes Werk befindet, und zwar die "Mutter der Philippine Welser", 650 x 550 cm, Inv.-Nr. 238. 


Christine van Mulders schreibt über de Hel: "L'approbation de son établissement à Augsbourg est sans doute à mettre en relation avec la mort du peintre C. Amberger, qui ne laissait pas de successeur pour la peinture de portraits. Le style des portraits de Del Hele, aristocratique et libre, à l'italienne, contrairement à celui, bourgeois, populaire et sec, de ses contemporains augsbourgeois, fut fort apprécié par les amateurs aristocrates, patriciens ou par les académiciens. En 1561, il réalisa le portrait de la première "Femme du Dr. H. Fröschel" (perdu). Il était lié à Hans Fugger, pour lequel il réalisa de nombreuses commandes. Il fut également actif pour la cour de Wurtemberg. En 1579/1580, il fut payé pour plusieurs portraits du duc, de son épouse et de leur fille et, en 1580/1581, pour six petits portraits du souverain. De 1567 à 1593, il fut le portraitiste attitré de la famille von Rodt. Plusieurs portraits des membres de cette famille sont conservés dans des collections privées à Oberschwäben et Ulm. Il peignit également pour la cour de Regensbourg. En 1576, il réalisa les portraits de la famille impériale de cette ville. Selon Metzger, l'œuvre datant de la période flamande de Del Hele nous est à peine connue. Les portraits réalisés après son départ à l'étranger font penser que le peintre ne s'aventura pas au-delà de l'Italie du Nord. Ces œuvres trahissent la nette influence des portraits du Titien des années 1530-1550, fort répandus en Italie au moment où Del Hele s'y trouvait. C'est pourvu de ces connaissances italiennes que Del Hele arriva, en 1560, à Augsbourg. Une "Pénélope avec ses filles", signée et datée 1563, se trouve au musée de Schleissheim." 15

Auch an den de Hel zugeschriebenen, unlängst bei Sotheby's London 16 im zweiten Anlauf versteigerten Doppelporträts von Karl von Langenmantel und seiner Frau Korona Welser, dat. 1592, also nur zwei Jahre vor dem Porträt der Euphrosina Bimmel, sind sehr starke Gemeinsamkeiten zu beobachten (Abb. 9-12):



 





Abb. 9: Abraham de Hel zugeschr.: Bildnis der Korona Welser, verheirate Langenmantel, Detail. Foto: Sotheby's



Das Inkarnat bei der Korona Welser ist ähnlich jenem der Bimmel und entspricht der Kennzeichnung von Gode Krämer. Der flussperlenverzierte Haarschmuck weist große Ähnlichkeiten auf, zudem die kurzwimprige Augenpartie, vor allem die Darstellung des Ohrs. (Abb. 10)





Abb. 10: Links das Ohr der Korona Welser, rechts, seitenverkehrt, jenes der Euphrosina Bimmel. 



Die am oberen Rand befindliche Datierung ist annähernd gleich geschrieben. Das Gesicht der Korona Welser weist dieselbe Grautönung im Schläfenbereich auf, ihr Mund denselben Schwung. Die Zuschreibung an de Hel kam zuerst im Mai 1947 von Dr. Ludwig Ohlenroth. 17





Abb. 11 + 12: Abraham de Hel zugeschr.: Halbfigurporträts von Karl von Langenmantel und seiner Frau Korona Welser,

Öl auf Lwd. auf Holz,
dat. 1592. Privatbesitz. Foto: Sotheby's



Diese beiden hochqualitativen Porträts entstanden zwei Jahre vor der zweiten Eheschließung des Quirin Rechlinger mit Euphrosina Bimmel. Als Bürgermeister war Rechlinger dieses Bildnispaar sicherlich nicht unbekannt geblieben und dürfte den Ausschlag zur Beauftragung de Hels für sein eigenes Porträt mit Euphrosina Bimmel gespielt haben. 




  • Demnach bevorzugte de Hel für großformatige Werke bereits Leinwand (später gelegentlich auf zusammengeleimte Holztafeln aufgezogen), für kleinere Porträts nahm er traditionelle Holztafeln. Das bestätigt die Annahme, dass die Grazer Tafel der Bimmel nicht viel größer als ein Brustporträt war. Die Grazer Tafel ist gerissen, aber nicht aus mehreren Tafeln zusammengeleimt. 

  • Alle de Hel zugeschriebenen Porträts in Ausgburg tragen keine Signatur, nur wenige tragen Wappen.

  • Die Ohren sind verblüffend ähnlich gemalt.

  • Mehrere de Hel-Porträts weisen am Rande eine typische nobilitierende Stoffdrapierung auf. Da die Tafel der Bimmel nach den bisherigen Annahmen von P.-B. Eipper und mir wegen Anobienbefall seitlich nur geringfügig gekappt wurde, ist davon auszugehen, daß eine solche, eigentlich für de Hel typische Draperie hier nicht vorlag.

  • Mehrere der de Hel zugeschriebenen Werke wurden auch in Augsburg für spätere Umrahmungen im Bildausschnitt verändert: das Grazer Bild ähnelt auch in diesem Punkt den Augsburger Bildern und stellt keinen Sonderfall dar.

  • Das unmittelbare Vorbild war das Doppelporträt Langenmantel-Welser, heute in Privatbesitz.



Porträts der Augsburger Oberschicht des 16./17. Jh. hängen in den berühmtesten Museen der Welt. Wenngleich das Gemälde der Bimmel durch die Veränderungen mitgenommen erscheint, ist es doch ein wichtiges Werk der Augsburger Spätrenaissance und seltenes historisches Zeugnis, denn weitere bildliche Dokumente der Euphrosina Bimmel sind anscheinend nicht überliefert.

Wie kam das Bild in den Besitz der Attems?

Die Attems waren Kunstsammler, die in Europa viel herumkamen. Möglicherweise haben sie das Bild oder auch das dazugehörige Pendant sogar in Augsburg gekauft. Es gibt aber auch noch eine andere, bislang nicht publizierte Möglichkeit:

Denn bereits zuvor war ein Bernhard III. Rehlinger (um 1504-1572) 18 mit einer Ursula Bimmel verheiratet gewesen, deren Sohn Daniel Rehlinger 19 (um 1540-1601) in den habsburgischen Hofdienst als „Diener auf zwei Pherdt“ und späterer Silberkämmerer ging, und auch Kaiser Rudolf II. diente. Es bestanden also schon silbern gesponnene Netzwerke nach Österreich (das über Vorderösterreich bis unmittelbar vor die Tores Augsburgs reichte!), und irgendwoher mußte ja auch das Salz der Bimmel stammen.





Abb. 13: Anonymus: Bildnis eines Herren Rehlinger, datiert auf der Halskachel 1527. Möglicherweise Bernhard III. Rehlinger. 

Stiftung Preussischer Kulturbesitz. Quelle: Wikimedia Commons



Aber nicht nur dieser Bernhard Rehlinger diente dem österreichischen Kaiser, sondern auch Euphrosinas Ehemann, der Augsburger Bürgermeister Quirin Rehlinger selbst, dem am 26.5.1598 vom Wiener Kaiserhaus der Titel „Kaiserlicher Rat“ 20 „unter ausdrücklicher Würdigung der Verdienste seines Geschlechts“ verliehen wurde. Damit ist natürlich das Geschlecht der Rehlinger gemeint. Sehr wahrscheinlich ist, daß dessen Hilfe rein finanzieller Art war. Möglich ist deswegen, dass das Bild der Bimmel schon um 1600 nach Österreich zu den auf Abstammung bedachten Verwandten kam, wo es später irgendwann die kunstsinnigen Attems erwarben.



Dank



Besonderer Dank für Hinweise an die genannten Mitarbeiter des Universalmuseums Joanneum, an Dr. Gode Krämer, an Dr. Christoph Trepesch, Dr. Christoph Nicht und Sarah Klein MA (Kunstsammlungen und Museen Augsburg) sowie an Dr. Barbara Rajkay vom Stadtarchiv Augsburg.



Anmerkungen



1          Archiv Alte Galerie, Graz, Postausgang 1943, Zl. A 250/43, Karl Garzarolli-Thurnlackh an Alexander Stern, 15.9.1943. Der Vortrag von Karin Leitner-Ruhe „Luftschutzmaßnahmen”, wurde veröffentlicht unter „Ein Bilderstapel...“ in: Sabine Loitfellner, Pia Schölnberger: Bergung von Kulturgut im Nationalsozialismus: Mythen - Hintergründe - Auswirkungen. Wien 2016, hier S. 253

2          Näheres zu Stern bei Walter Brunner (Hg. im Auftrag der Stadt Graz): Geschichte der Stadt Graz, Bd. 4. Graz 2003, s.v. Stern, Alexander. Der auch unter Juden vorkommende Name Stern bereitete dem Fotografen erhebliche Probleme, denn er trat anscheinend deswegen nach 1938 der NSDAP bei. Allerdings: „Im Jahr 1944 wurde Stern wegen mangelnder Betätigung für die NSDAP und ständigen Kontakten zu ehemaligen Sozialisten aus der Partei ausgeschlossen und erst…1949 voll rehabilitiert.“. (Brunner). Ähnlich auch https://www.gedaechtnisdeslandes.at

2a        eMail an den Verfasser im September 2019


3          Graf Ignaz Maria III. Attems lieh „in Etappen ab 1818 dem neu gegründeten Joanneum in Graz insgesamt etwa 200 Gemälde..., von denen er 162 dieser Institution 1861 testamentarisch vermachte.“ Georg Matthias Lechner: Der Barockmaler Franz Carl Remp (1675–1718). Diss. Uni Wien 2010, S. 44

4          Frdl. Mitt. Karin Leitner-Ruhe v. 8.8.2019

5          Anton Werner: Augsburger Häusergeschichte. Ein Beitrag zur Topographie Alt-Augsburgs.  Maschinenschr.  Ex. in  der  Staats-  und Stadtbibliothek  Augsburg, Augsburg 1916

6          Joachim Kühnert: Wer waren die Augsburger Prineri? In Zeitschrift des Historischen Vereins für Schwaben, 103/2011, S. 135-140

6a        Hans Bimmels Söhne verliehen Geld nicht nur an Fürsten und Regierungen. Nach Jacob Strieder überwiesen sie 1522 "an Karl V. … einen Betrag, den sie bald darauf in Antwerpen mit 19 200 Carolusgulden zurückerhielten. König Ferdinand liehen sie 1527: 56 000 Florin, 1528 mit den Herwart zusammen 45 000 Florin, 1530 wieder allein 18 000 Florin. Auch die niederländische Regierung nahm ihre Dienste in Anspruch. Sodann begegnen wir ihnen wieder 1541 zusammen mit den Fuggern als Geldgebern des Wiener Hofes, und im Jahre 1560 nahm Sir Thomas Gresham in Antwerpen für die englische Krone bei ihnen eine Anleihe auf."  * Jacob Strieder: Zur Genesis des modernen Kapitalismus. Leipzig 1904, S. 150


7          Familienbuch der Bimmel, Stadtarchiv Augsburg, 4° Cod H 11, fol. 28r; Nachlass Zimmermann, Lilienthalkartei

8          Mark Häberlein, s.v. „Rehlinger“ in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 281-282; https://www.deutsche-biographie.de/pnd119406160.html#ndbcontent

9          Leonhard Bayrer: Kurzgefasste Geschichte von Augsburg. Ein Lesebuch für den Bürger, und dessen Abstämlinge. Augsburg 1785, S. LXXXII

10        Mark Häberlein: Sozialer Wandel in den Augsburger Führungsschichten. In: Günther Schulz (Hg.): Sozialer Aufstieg. Funktionseliten im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit. München 2002, S. 88

10a      Dagmar Hirschfelder: Der gesellschaftliche Auftritt: Kleidung und Porträt. In: In Mode. Kleider und Bilder aus Renaissance und Frühbarock. Kat Aus. GNM 2018, S. 69, https://doi.org/10.11588/arthistoricum.396


11        Alle Daten nach Bosls Bayerischer Biographie. Regensburg 1983 und 1988. Digitalisat: https://www.bavarikon.de/search?lang=de&facet=providedCHO.currentLocation.org.orgName_str%3AUniversitätsbibliothek+Regensburg sowie dem Digitalisat des Augsburger Malerbuchs, Stadtarchiv Augsburg, Bestand Historischer Verein für Schwaben, H 54a (nur im Archiv einsehbar)

12        vgl. Thieme-Becker, Bd. 16, 1923, S. 329; Stadtlexikon Augsburg, s.v. Hel

12a      so etwa bei Martina Streble; Bernd Wißner: St. Anna Augsburg. Kirchenführer, Augsburg 2013, S. 4 (mit Abb. auf S. 5). Sie gelten als gesicherte de Hels. Ich denke allerdings, dass diese Lunetten ebenso wie das weiter unten erwähnte biblische Historienbild in Schleissheim in ihrer manirierten Art nicht von Abraham de Hel stammen, sondern von einem späteren Künstler (Freyberger?). Freybergers Lunette "Speisung der 5000" hängt heute nicht im Kreuzgang, sondern an der Rückwand der Goldschmiedekappelle von St. Anna und scheint urkundlich belegt zu sein (Abb. eines Details bei Streble & Wißner, S. 33). Zur Verwechslung von Werken de Hels mit jenen von Johann Freyberger könnte es dadurch gekommen sein, dass Freyberger anfangs bei de Hel arbeitete (Baader-Lipowski: Baierisches Künstler-Lexikon, Bd. 1. München 1810, https://personenlexika.digitale-sammlungen.de/Lexika/Freyberger,_Johann_(GND_12910387X) und ab 1601 dessen Werkstatt übernahm.


13        Katalog Welt im Umbruch, S. 332 (Kat. 319). vgl. auch Albert Hämmerle: Ein Tafelbild des Abraham del Hel in Memmingen. In: Das Schwäbische Museum, 1926, S. 79f sowie Othmar Metzger: Die Bildnisse des Abraham del Hel aus Antwerpen, Malers und Contefetters zu Augsburg. In: Bull. de la Classe des Beaux-Arts, LXIV, V, 3, 1982, S. 68-76

14        https://www.wissner.com/stadtlexikon-augsburg/artikel/stadtlexikon/hel/4094

15        http://balat.kikirpa.be/peintres/Search_dico.php?setlang=fr

16        Sotheby‘s London, 4.12.2014, lot 154 (zurückgezogen); Versteigerung am 29.4.2015

17        1922-1932 Direktor des Maximilian Museums in Augsburg, nach dem Kriege zunächst selbständig, ab 1947 wieder bei der Stadt angestellt.

18        Näheres unter http://süddeutsche-patrizier.de Eine Quelle des Reichtums war Einnahme aus Bergwerken, insbesondere der Besitz des Schwazer Silberbergbaus: „Das gute Geschäft mit Silber und Kupfer lockte aber auch Größere an, die Augsburger Welthandelsfirmen der Fugger, Baumgartner und andere mehr. Sie konnten Kaiser Maximilian und dessen Nachfolgern Karl V. und Ferdinand I. jene Darlehen geben, die sie zum Aufbau und zur Festigung des habsburgischen Weltreiches brauchten. Die Augsburger beherrschten nicht nur den Handel mit den Schwazer Metallen, sondern traten zur Sicherstellung der Produktion auch allmählich als Gewerken in den Bergbau ein. In diesem Moment entschied das Schwazer Silber über die Geschichte Europas. 1519 wurde der Habsburger Karl V. zum deutschen König gewählt. Dazu stellten die Fugger einen Teil der Bestechungssumme (man spricht von etwa 850.000 Gulden), die die Kurfürsten dazu bewog, dem Habsburger gegenüber dem französischen König den Vorzug zu geben ...1552 gingen die Tänzl und Stöckl als letzte einheimische Gewerken Bankrott und die Augsburger Firmen gewannen die Alleinherrschaft am Falkenstein, die sie schon seit Jahrzehnten angestrebt hatten.“ https://www.silberbergwerk.at/geschichte

19        Möglicherweise porträtiert im Gemälde des sog. „Meisters LS“ (dessen „ligierte Signatur“ auf der Streitaxt ist nicht nachvollziehbar) der Staatlichen Museen zu Berlin ‒ Preußischer Kulturbesitz, Gemäldegalerie, dat. im Halsbereich 1527, Inventar-Nr. 629. https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bildnis_eines_Herrn_Rehlinger.jpg hier mit falscher Datierung und falschem Meister

20        Österreichisches Nationalarchiv, https://www.archivinformationssystem.at/detail.aspx?ID=2488874



Hinweis: In: MUSEUM AKTUELL, September 2019, H. 260/2019, S. 9-12 findet sich eine Kurzfassung dieses Blogeintrags unter der Überschrift "Durchschaut: Einem zweifach geschönten Bild auf der Spur. "



UPDATE: Was bei der Abfassung dieses Beitrags nur eine kunsthistorische Vermutung war, wurde jetzt von Paul-Bernhard Eipper bestätigt:  Sägespuren beweisen, dass die Tafel rezent links und rechts gekappt wurde. In diesem Fall dürfte die Ursache zweifacher Natur sein: Anobienbefall und Anpassung an einen vorhandenen, allerdings kleineren Rahmen. Diese uns heute brutal erscheinende Vorgehensweise war in den vergangenen Jahrhunderten bei Leinwand- und Tafelgemälde üblich, man möchte fast meinen: die Regel.


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