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Hochgepriesenes Malewitsch-Bild der Kunstsammlung NRW ist eine Fälschung der 70er Jahre


Marion Ackermann, ehem. Direktorin der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen,  2015 vor der Fälschung „Schwarzes Rechteck, rotes Quadrat“. Foto: Wilfried Meyer, © Kunstsammlung NRW


Die Kunstsammlung NRW hatte das unsignierte Gemälde und mehr als 40 Zeichnungen von der Dr.-Harald-Hack-Stiftung geschenkt bekommen. Sie sollen von dem Revolutionskünstler Kasimir Malewitsch (1878-1935)stammen. Viele Jahre hatte das Bild zuvor als Leihgabe im Wilhelm-Hack-Museum in Ludwigshafen gehangen. Untersuchungen an Farbe und Leinwand hätten nun ergeben, daß das zunächst auf etwa 1915 datierte Bild wahrscheinlich erst zwischen 1972 und 1975 entstanden sei, teilte das Düsseldorfer Museum mit. Zudem hätten weitere maltechnische Untersuchungen durch die TH Köln sowie der Vergleich mit einem authentischen Malewitsch-Gemälde in den USA gegen eine Echtheit gesprochen.


Der Direktor des Wilhelm-Hack-Museums, René Zechlin, sagte, Kunsthistoriker hätten die Echtheit des Gemäldes schon länger bezweifelt. Dennoch habe das Museum das Ölgemälde nie überprüfen lassen, weil es sich bis dahin um eine Leihgabe handelte. Eine nähere Untersuchung wäre nicht ohne Zustimmung der Besitzer möglich gewesen. Offen ist dabei jedoch, ob sich der Sammler dezidiert gegen eine naturwissenschaftluiche Untersuchung ausgesprochen hatte. 2015 war die Malewitsch-Sammlung in einer Ausstellung in der Düsseldorfer Kunstsammlung gezeigt worden. Schon damals sei die damalige Direktorin Marion Ackermann aber mit dem "äußerst komplexen Thema" der problematischen Provenienzen von Malewitsch-Bildern konfrontiert worden. Im Schenkungsvertrag sei daher ein Passus zur wissenschaftlichen Erforschung des gesamten Konvoluts eingefügt worden.


Auch der erst kürzlich angetretenen neue Direktorin Susanne Gaensheimer sind die auf dem Markt befindlichen falschen Malewitsch-Werke natürlich bekannt. Dennoch hat sie das Ergebnis der beiden Gutachten schwer getroffen. Ursprünglich habe man bis Januar warten wollen, wenn „endgültige Klarheit“ über beide Gutachten herrsche, nun wurde das Museum allerdings durch eine Veröffentlichung des Handelsblattes mit dem Fall an die Öffentlichkeit gedrängt. Das gefälschte Gemälde hatte sogar Eingang in den Malewitsch-Kanon gefunden: es war bereits 1975 in einem Buch über Malewitsch dokumentiert worden.


Das Zeichnungskonvolut wird noch untersucht.


Welche Lücke schloß die Fälschung?


In einer Presseaussendung der Kunststiftung NRW hatte Marion Ackermann seinerzeit das Gemälde allerdings vorschnell noch als „bedeutend“ und die gesamte Schenkung als „bisher wertvollste Schenkung in der über 50jährigen Geschichte des Museums“ bezeichnet. Weiter hieß es damals: „Das etwa 83 Zentimeter mal 58 Zentimeter große Ölbild kann zu den Meisterwerken der suprematistischen Phase im Schaffen des Russen gezählt werden und ist im zeitlichen Umfeld seines  legendären Schwarzen Quadrats (1915) entstanden. Das Bild zeigt ein auf weißem Grund schwebendes Rechteck und Quadrat: Es steht damit exemplarisch für den von Malewitsch entwickelten Suprematismus, bei dem – so der russische Künstler - „Kunst nur sich selbst zum Inhalt haben kann….Die ureigenste Idee von der Kunst ist die Gegenstandlosigkeit. Über die dynamische Organisation von Körpern, Fläche und Farben suchte der Künstler in dieser Zeit die dritte und sogar die vierte Dimension mit den Möglichkeiten der Bildsprache sichtbar zu machen. Ein stilistisch sehr ähnliches Werk Malewitschs („Malerischer Realismus. Junge mit Tornister“/1915)  befindet sich seit 1935 im Museum of Modern Art in New York.“ 


Allerdings war es Ackermann wiederum, welche die nun veröffentlichten Ergebnisse der Gutachten in Auftrag gegeben hatte..


An diesem Fall zeigt sich überdeutlich, wie falsch es ist, sich museumsseitig kunsthistorisch und marketingmäßig bewertend zu Objekten zu äußern, deren Echtheit durch Gutachten erst noch geprüft werden muß.  Museumsseitige Festlegungen hätten immer noch geschehen können, wenn die beauftragten Gutachter zum Ergebnis gekommen wären, daß nichts gegen die Echtheit spräche.  Zuschreibungen und "Einordnungen" ins Oeuvre bzw. in die Kunstgeschichte dürfen in Zukunft erst wieder stattfinden, wenn berechtigte Echtheitszweifel zerstreut sind. 

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