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Cranach, Hals, Parmigiannino, Orazio Gentileschi, Velásques...

Wie Olga Kronsteiner in Der Standard v. 7.10. 2016 schreibt, wurde nun die Anonymität derjenigen Person gelüftet, die in der Causa der Venus der Liechtenstein-Sammlung  Anzeige erstattet hatte: Es handelt sich um Giulano Ruffini. 

Die Ermittlungen zu einem vermutlich größeren Fälschungsskandal laufen seit Monaten. Es geht um eine Gruppe von Gemälden Alter Meister, darunter zweifelsfrei der hier abgebildete falsche Frans Hals. Die britische Daily Mail beziffert den potenziellen Schaden gar mit 200 Millionen Pfund. Es geht um ein Konvolut von Gemälden Alter Meister aus Ruffinis Besitz.

Der 71-jährige französische Kunstsammler-Händler hatte sie in den vergangenen Jahren an Kollegen verkauft, die sie mit erheblichem Gewinn an Privatsammler weiterverkauften. Dazu gehörte das Porträt eines Mannes von Frans Hals, das die Londoner Galerie Weiss in einem von Sotheby's vermittelten Private Sale 2011 für zehn Millionen Dollar an einen Sammler in Seattle verkaufte.Das Geschäft wurde bereits wurde von Sotheby's rückabgewickelt, nachdem von Sothebys beauftragte Untersuchungen ergaben, daß der angebliche Frans Hals neueren Datums ist. 


Dass Ruffini die Ermittlungen auch im Falle der Liechtenstein-Venus in Gang setzte, wurde erst später bekannt. Ihm jedoch ging es gar nicht um Fälschungsfragen, sondern darum, daß er sich von diversen Kollegen um stattliche Summen betrogen sah, denn nach französischem Recht steht dem Erstverkäufer ein Anteil jenes Gewinns zu, der bei anschließenden Verkäufen erzielt wird. Unklar ist hierbei allerdings, ob es sich bei Ruffini wirklich um den Erstverkäufer handelte, denn Ruffini wird die fraglichen Werke auch irgendwoher erworben haben. Handelt es sich hierbei um die bekannten Beltracchi-Altmeister-Fälschungen? Seit 2014 versucht Ruffini diese Forderungen bei Gericht zu erstreiten.

Die Gemeinsamkeit aller dieser Werke unter Fälschungsverdacht: Bis zu ihrem Auftauchen auf dem Markt waren sie in der Fachliteratur unbekannt. Als "neutraler" Ersatzgutachter im Fall der Liechtenstein-Venus ist Guido Messling, KHM-Kurator für Deutsche Malerei, beauftragt worden.(1)

Wie die SZ berichtet (2), ermittelt seit April 2016 die italienische und französische Polizei gegen den den Kunstsammler-Händler Giuliani Ruffini selbst und beschlagnahmte in seinem Haus bei Parma zahlreiche Bilder und Unterlagen. Dem Journal des Arts und dem Art Newspaper (3) zufolge soll Ruffini nach eigenen Aussagen nie behauptet haben, die von ihm in den Markt eingeschleusten Kunstwerke seien echt. Das gelte im besonderen für die Venus mit der Schleier der Liechtenstein Collection. Mehr dazu hier: http://blog.museum-aktuell.de/archives/365-Eine-ungewoehnliche-Beschlagnahme.html

Ein Interview mit Ruffinini findet sich hier: http://roadsmag.com/cranach-suite-de-laffaire-interview-de-giuliano-ruffini-le-vrai-proprietaire-du-tableau292472016/


Anmerkungen: 


(1) Olga Kronsteiner: Fälschungen von Meisterhand.  http://derstandard.at/2000045560833/Faelschungen-von-Meisterhand?ref=nl&userid=12434&nlid=22  Foto: Sotheby's. Frdl. Hinweis von P.-B. Eipper, Universalmuseum Joanneum.

(2) Michael Kohler: Diese Altmeister sind ein bißchen zu modern. In: Süddeutsche Zeitung v. 21.10.2016, SA. 12 HF3

(3) Vincent Noce: Meet the man at the centre of the Cranach Mystery. In: The Art Newspaper, 14.6.2016 http://theartnewspaper.com/news/news/meet-the-man-at-the-centre-of-the-cranach-mystery/ sowie http://theartnewspaper.com/news/doubts-grow-over-old-masters-sold-by-giulano-ruffini/

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