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Siebte Strafkammer des Landgerichts Traunstein greift bei den Fälschungen des Simon F. härter als bisher durch


Zu drei Jahren Gefängnis hatte bereits das Schöffengericht Rosenheim am 17.6.2010 den inzwischen 64 Jahre alten Kaufmann Simon F. aus Riedering verurteilt, weil er 28 falsche Skulpturen, Tuschezeichnungen, Gouachen und Gemälde als Originale mit Millionenwert offeriert hatte. Glücklicherweise hatte dieser die Fälschungen nie verkaufen können. Das Gericht sprach den Kunstsammler und -händler aus Riedering, Lkr. Rosenheim, seinerzeit nach mehr als 20 Verhandlungstagen wegen versuchten Betrugs in fünf Fällen sowie wegen dreifacher Urkundenfälschung schuldig. Unter den angeblich echten Werken befanden sich solche von Picasso, Gauguin, Chagall, Matisse, Dali, Schiele, Rodin und Manet. Insgesamt 14 Sachverständige, u.a. aus Hamburg, Genf, Paris und Wien, lieferten dem Gericht Falsifikatsbescheinungen, die zur Verurteilung des mutmaßlichen Hochstaplers führten. Im Fall eines “echten” Picasso befand Maya Picasso, Tochter des Maler, das Bild wegen Stil- und Motivfehlern als Fälschung ein. Ein Papiersachverständiger stellte zudem fest, daß das Blatt synthetische Stoffe beinhaltete, die zum angegebenen Entstehungsdatum noch nicht üblich waren. Auch die angewendete Herstellstelltechnik war für das Blatt noch nicht verfügbar.


Unter dem Vorsitz von Richter Volker Ziegler wurden für das Berufungsverfahren bis Mitte September 16 Prozeßtermine anberaumt. Die fünf Tatkomplexe umfassende Anklage der Staatsanwaltschaft geht von angestrebten Kunstgeschäften in Millionenumfang aus, die 2003 mit einem angeblichen Gauguin-Selbstportrait von 1886 ihren Anfang nahmen. Erst fünf Jahre später, im Juni 2008, trat ein verdeckter Ermittler der Kripo als Scheinkäufer für Kunstwerke mit einem Finanzumfang von 2,41 Millionen Euro auf. Der 64jährige wanderte wenige Wochen später in Untersuchungshaft.1 2008 wurde Anklage erhoben.


In seinem Revisionsurteil wegen versuchten Betrugs und Urkundenfälschung bescheinigte der Richter Ziegler dem Simon F. eine gehörige Portion krimineller Unverfrorenheit. Seine überbordenden Redeschwälle verschlissen etwa zehn Anwälte, bis zum Schluß hielt nur Pflichtverteidiger Andreas Michel durch.2 Michel handelte gegen ein widerwilliges Geständnis seines Mandanten mit der Staatsanwaltschaft ein “Deal” aus: Das Landgericht Traunstein verurteilte Simon F. jetzt zu nur zwei Jahren Haft. Wichtig jedoch: Etwa die Hälfte seiner Bilder bleibt eingezogen, die andere erhält einen Stempel, der einen Verkauf als Original unmöglich macht. Staatsanwältin Stephanie Bock erklärte den Deal so, daß es ihr mehr darum ginge, die Fälschungen aus dem Handelskreislauf zu ziehen, als um das Strafmaß des Täters.


Zusammenstellung nach den unten erwähnten Presseberichten. Foto: Theodor Auer/Wochenblatt


 



 


1 Monika Kretzmer: Kaufmann (64) steht als Kunstfälscher vor Gericht. „Falschen” Picasso für Millionen angeboten. In: Wochenblatt – Die Zeitung für alle, Nachrichten aus der Region Traunstein/Chiemgau v. 4.7.2011 (http://mobil.wochenblatt.de/nachrichten/traunstein/regionales/art39,55368)
2Heiner Effern: Bewährung für Kunstbetrug. Nach langer Überzeugungsarbeit räumt Händler Fälschungen ein. In: Süddeutsche Zeitung v. 20./21.08.2011 
 


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